Das 19. Türchen

Der Pölli Adventkalender

Einfach zum Nachdenken - der Wert eines Schulpferdes

Letztens wurde ich Ohrenzeuge eines Gesprächs, das mich etwas nachdenklich stimmte. Der Ausspruch „Jetzt muss das arme Pferd auch noch immer in der Reitschule arbeiten“ , veranlasst mich heute, über den „Wert eines Schulpferdes“ nachzudenken.

Jeder, der heute reitet, hat einmal angefangen zu reiten. Jeder von uns war und ist angewiesen auf möglichst guten Unterricht und – auf möglichst gute Schulpferde. Wo sonst hätten wir alle unsere ersten Versuche im Viereck machen können, unsere ersten Ausritte erleben dürfen, oder den ersten Galopp, den sicher noch jeder in Erinnerung hat . Ich weiß noch meine ersten Töltversuche, meine erste gelungene Vorhandwendung, bei der ich das Lob „sehr gut hast du das gemacht“ erhielt, dabei aber nur Statist war, da mein braves Pferd diese wie von selbst machte. Schulpferde hatten nicht nur die Aufgabe,uns reiten, also die Sprache zwischen Mensch und Pferd beizubringen, sie machten uns auch mutig, selbstsicher, konsequent und geduldig.

Ich habe das Glück, dass das Hobby Reiten vor mehr als 30 Jahren zu meinem Beruf wurde und viele Schulpferde in unserer großen Reitschule meine wichtigsten Mitarbeiter wurden.
In meinen Augen ist das am besten ausgebildete Pferd das beste Schulpferd - von ihm können Reitschüler bestmöglich lernen. Die verschiedenen Charaktere der Pferde helfen den Schülern,sich auf verschiedene Typen einzustellen – ängstliche Reiter werden auf ruhigen Pferden mutiger, erfahrenere Reiter können auf sensiblen Pferden ihre Hilfengebung verfeinern.

Schulpferde haben im Vergleich zu Sportpferden oft weniger Verletzungen, da sie gleichmäßig belastet
werden und gut konditioniert sind. Voraussetzung ist natürlich, dass sie gut gepflegt, gefüttert und respektvoll behandelt werden. Dazu gehört auch natürlich die passende Ausrüstung und eine gute Haltung, in der das Pferd seine natürlichen Bedürfnisse ausleben darf.

Schulpferde müssen sehr geduldig sein und sind oft Künstler im Verstehen der unterschiedlichen Hilfengebungen der Reiter. Ich staune oft über die Sanftheit, mit der sie mit kleinen Kindern umgehen, obwohl sie soviel stärker wären wie diese, und mit wieviel Schlauheit sie aber auch manche Schwächen der Reiter durchschauen und ihnen damit den Lernerfolg aus Fehlern ermöglichen.

Pferde, die früher im Turniersport gelaufen sind, sind oft nach ihrer aktiven Turnierkarriere noch gut in einer Reitschule aufgehoben und können bis ins hohe Alter vielen Menschen Freude bereiten – so nach dem Motto: „Jedes Pferd soll einmal das Glück haben, von einem kleinen Mädchen, einem kleinen Buben geliebt zu werden .“Von so vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen geliebt zu werden, das gelingt oft nur Schulpferden!

Ich möchte auf diesem Weg danke sagen.

Barbara