Danke.....

an unsere MitarbeiterInnen, dass sie den Laden schmeißen und...

an unsere EinstellerInnen, dass sie unsere Maßnahmen mittragen. Im folgenden ein offener Brief aus "berufener Feder", der das ausdrückt, was uns bewegt.

 

Liebe IslandpferdefreundInnen!

Wir befinden uns derzeit in einer Situation, die sich auf unterschiedlichsten Ebenen auf unser gewohntes Leben auswirkt und deren Folgen auch wirtschaftlich nicht absehbar sind.

Wir haben es mit einem Virus zu tun, dass sehr ansteckend und für ältere, aber auch junge Menschen durchaus gefährlich ist. Unsere Hände sind unser wichtigstes Werkzeug. Ich habe mir in Zusammenhang mit Covid-19 meine täglichen Handgriffe genau überlegt. Es ist unglaublich, wie viele Spuren meine Hände in der Umgebung hinterlassen, wie oft ich mein Gesicht berühre, während ich mit meinen Händen andere Tätigkeiten ausführe, die teils ganz banal sind - wie etwa das Öffnen von Türen. Wir alle hinterlassen mit unseren Händen täglich tausende von Spuren, die sich umso mehr überschneiden, je mehr wir uns an einem selben Ort - egal ob gleichzeitig oder zeitversetzt - befinden. Darüber freut sich das Virus, denn es kann nur in uns fortbestehen und muss daher neue Wirte finden, ehe es vom Immunsystems eines menschlichen Wirts vernichtet wird. Und genau das ist der Sinn maximaler Isolation: Das Virus dadurch auszuhungern, dass es kein neues Opfer findet.

Bedenken Sie bitte, dass das Virus mehrere Tage auf Oberflächen überleben kann, und das umso besser, je kühler es ist. Für die kommenden Tage sind ideale Temperaturen für SARS-CoV-2 prognostiziert: 0-5°C. Durch meinen Job als Wissenschaftlerin, die täglich mit Viren unter sehr sauberen Bedingungen arbeitet, weiß ich, wie schwer es ist, sämtlich Laborflächen zu dekontaminieren. In einem Reit- und Einstellbetrieb ist das absolut unmöglich.

Ob wir als EinstellerInnen derzeit das Recht haben, zu unseren Pferden zu fahren und diese zu pflegen und zu bewegen, ist derzeit unklar. Darum geht es aber überhaupt nicht.

Vielmehr geht es darum, das Virus an seiner Verbreitung zu hindern, ihm seine Existenzgrundlage zu entziehen. Dafür ist jeder einzelne jetzt selbst verantwortlich. Jetzt geht es um uns Menschen. Um unsere Eltern, Kinder, Freunde, um all die (und deren eigene Familien und Freunde), die sich um unsere Pferde täglich kümmern und teils kurz vor der Insolvenz stehen, um Menschen, die wir gar nicht kennen. Es kann nur gelingen, die Ansteckungskette - einer, mehrere, viele, vielleicht alle? - zu durchbrechen, wenn unsere Hände in unserer Umgebung so wenig Spuren wie nur möglich hinterlassen. Ab heute, 21.März - sind es 24 Tage bis zum 13. April. Vierundzwanzig Tage in einem langen Menschen- und auch Pferdeleben.  

Ich bitte Euch alle: Verzichtet diese läppischen 24 Tage darauf, zum Stall zu fahren, sofern Eure Pferde grundversorgt sind. Ihr leistet damit einen unschätzbaren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie und schützt damit all jene Menschen, mit denen Ihr eines der schönsten Hobbys der Welt teilt. Denkt auch an die Zeit danach: Was werden die anderen über Euch denken und wie werden sie sich Euch gegenüber verhalten, wenn Ihr den notwendigen Beitrag nicht leistet? Oder noch schlimmer: wenn Euer Verhalten zu Erkrankungen führt?

Ich wünsche Euch allen von ganzem Herzen Gesundheit, Geduld und Weisheit, damit Ihr aus dieser Krise als HELDEN hervorgeht.

Dr. Sabine Brandt

 

DI Dr habil Sabine Brandt, Senior Lecturer