Hrodur frá Hofsstödum

Am Samstag den 27.10. 2018 ist auf Gut Pöllndorf eine Ära zu Ende gegangen. Der 30jährige Hrodur, der vielen nur mehr als der schrullige Opa, der besondere Privilegien genoss, bekannt war, ist, begleitet von den Menschen, denen er viel bedeutet hat, gestorben.

 

Ich möchte das lange, spannende Leben von Hrodur noch einmal Revue passieren lassen:

Hrodur, ein Sohn des Hrafn frá Holtsmula, wurde 1988 in Island geboren und war nach seiner Ausbildung das Ausreitpferd von dem bekannten Isländer Gunnar Dungal. Der sehr talentierte Fünfgangwallach wurde von Atli Gudmundsson trainiert und qualifizierte sich 1997 für die Islandpferdeweltmeisterschaft in Seljord/ Norwegen, wo er in der Gesamtwertung Fünfgang zweiter wurde. Nach der WM kam er auf den Lipperthof zu Uli Reber, wo er zum Verkauf stand. Hannes entdeckte ihn dort zufällig und gestand mir, dass er ein Turnierpferd für mich gekauft hat. Geplant war dieser Kauf eigentlich nicht. Kurze Zeit später erfuhr ich, dass ich zu Johanna schwanger war, das heißt Johanna hat schon früh auf Hrodur reiten gelernt. Gegen Ende der Schwangerschaft wurde Hrodur von Hannes trainiert.

In den Jahren danach war Hrodur mein Turnierpferd und ein strenger Lehrer für mich. Er war ein großes und starkes Pferd und ich war anfangs im Pass noch eher unerfahren, was er öfter ausnützte. Ich war nicht nur einmal am Verzweifeln, wenn ich ganz knapp ein gutes Turnierergebnis verpasste. Um so schöner waren dann die geglückten Fünfgangprüfungen, Passprüfungen oder Rennen.

Der Wunsch, Österreichischer Meister in der Passprüfung zu werden, wurde mir leider nie erfüllt, Vizemeister war er aber in seinem Leben öfter, nicht nur auf der WM. Bei der letzten Passprüfung mit ihm in Semriach wurde er zweiter hinter meinem zweiten Pferd Sylgja frá Grund – ich habe mich also selbst geschlagen und eine neue Ära wurde eingeleitet.

Danach wurde Hrodur das Lehrpferd von Johanna. Sie ritt mit ihm in allen Gängen und für den älter werdenden Champion war die Arbeit mit der erst 8jährigen fast wie Freilaufen mit leichtem Gewicht. Das tat ihm gut und Johanna lernte eine Menge von ihm. Sogar springen durfte er mit ihr und er machte das großartig. Die Reiternadel absolvierte er mit ihr im Gelände und ich lernte, dass auch Fünfgänger und Passer sehr gut springen können und dass dies ein gutes Zusatztraining für Gangpferde ist.

Johannas erste Passversuche mit ihm waren für alle Beteiligten eine aufregende Sache. Hrodur war ein sicheres Pferd – es ist nie jemand von ihm heruntergefallen – aber er war richtig schnell und ich war mir nicht sicher, wie das für Johanna sein wird. Ich habe die beiden dann mit etwas mulmigen Gefühl auf die Passbahn geführt, Johanna startete und am Ende stand Hannes mit der Futterschüssel und bremste Hrodur. Johanna war über die Geschwindigkeit begeistert, anfangs auch über schnellen Galopp!



Bei ihrem ersten Turnier in St.Radgund gewann sie den Speedpass in der Kinderklasse, Hannes und ich waren wieder Starter und Bremser. Einar Ragnarsson, mehrmaliger WM-Chefrichter aus Island sagte damals zu mir, er habe noch nie in seinem Leben ein Kind so schnell Pass reiten gesehen. Möglich war das, weil Hrodur seinen Job kannte und für Johanna ein sicheres Pferd war. Mehrere Jahre begleitete Hrodur Johanna nun auf den Turnieren, und war in der Kinderklasse in den Passbewerben immer Erster.





Aber auch auf vielen Wanderritten war er mit uns unterwegs, sogar in Slowenien. Verschiedene Zirkuskunststücke musste er mit Johanna auch erlernen oder bei Geschicklichkeitsbewerben mitmachen.

Mit 23 Jahren wollten wir Hrodur eigentlich in Pension schicken und nur mehr ausreiten gehen, aber er war wieder so fit, dass ich beschloss, noch einmal ein Comeback zu wagen.

Da bei uns ein internationales Passqualifikationsturnier am Hof stattfand, beschloss ich ein letztes mal ein 150m Rennen zu reiten. Hrodur lief seine persönliche Bestzeit von 14,48 Sekunden und wurde – zweiter – anscheinend seine Bestimmung. International wäre dies zu dieser Zeit im Worldranking der dritte Platz gewesen. Ich freute mich riesig und wollte noch einmal mit ihm aufs Passchampionat nach Zachow reisen. Dazu kam es aufgrund eines Wespenstichs, der riesig anschwoll, leider nicht mehr.

Hrodur war zeit seines Lebens geplagt von Heuallergie und Sommerekzem, aber er war der Grund, warum auf Gut Pöllndorf eine eigene Heumischung mit Öl von Hannes entwickelt wurde, die ihm ein beschwerdefreies Leben ermöglichte.

Die letzten Jahre war er der beste Freund und Boxengenosse von unserem Hengst Fjölnir. Hrodur war bis zu seinem letzten Tag ein selbstbewusstes, stolzes Pferd, der sich von Fjölnir nicht einschüchtern ließ. Beim Futter stand er immer als erster drinnen. Er durfte oft frei am Hofgelände spazieren gehen, was nicht nur ihm, sondern auch den Kindern am Hof gefiel. Im „Speedschweinepass“ fetzte er um die Kurve und steuerte zielgerichtet seine Lieblingsplätze beim Gras an. Manchmal lag er auch im Gras oder im Heu und fraß im Liegen. Ich denke, er hat seine Pension genossen….



Er wird uns fehlen.

Barbara, Johanna und Hannes